Farbe ersetzt kein Datenblatt
Zwei Fette mit ähnlicher Farbe können unterschiedliche Verdicker, Grundöle, Additive und Einsatzbereiche haben. Verschiedene Farben bedeuten umgekehrt nicht automatisch verschiedene Leistungsklassen. NLGI behandelt die Farbe als Merkmal des Erscheinungsbilds und nicht als Kurzbezeichnung für das Betriebsverhalten.
Die Farbe kann also bei der Identifikation und bei der Sichtprüfung einer Probe helfen, sollte aber kein Auswahlkriterium sein. Aus ihr lassen sich weder Betriebstemperatur, Drehzahl und Belastbarkeit noch Wasserbeständigkeit, Scherverhalten oder Verträglichkeit mit Dichtungen allein ablesen.
Woher kommt die Farbe des Schmierfetts?
Eigenfarbe und Farbstoffe
Die Eigenfarbe eines Schmierfetts hängt von seiner Formulierung ab; manche Produkte reichen von hellbraun bis dunkel. Der Hersteller kann zusätzlich einen Farbstoff einsetzen, um ein Produkt von anderen zu unterscheiden oder es bei Instandhaltungsarbeiten leichter erkennbar zu machen. Blau, Rot, Grün oder Bernstein sind keine universellen Kennfarben für Temperatur, Belastung oder Verdickertyp.
Additive und Festschmierstoffe
Graphit oder Molybdändisulfid können ein Fett dunkel oder schwarz erscheinen lassen. Daraus folgt weder, dass jedes schwarze Fett einen dieser Stoffe enthält, noch dass ein solcher Zusatzstoff für jedes Lager benötigt wird. Maßgeblich sind das technische Datenblatt und die Anwendungsdokumentation des konkreten Produkts.
Farbänderung im Betrieb
Während des Betriebs kann sich das Aussehen durch Temperatur, Oxidation, Verunreinigung, Wasser oder die Vermischung mit einem anderen Produkt verändern. SKF weist darauf hin, dass eine Verdunkelung mit hoher Temperatur, Oxidation, Verkohlung oder festen Partikeln zusammenhängen kann. Eine schwarze Farbe bedeutet aber nicht automatisch, dass das Fett unbrauchbar ist. Vergleichen Sie die Probe mit ungebrauchtem Fett und bewerten Sie sie zusammen mit den Betriebsbedingungen.
Wann muss eine Farbänderung untersucht werden?
Nicht jede Änderung bedeutet einen Schaden. Ein deutlicher Unterschied zum frischen Fett sollte dennoch eine Prüfung des Kontexts auslösen:
- Prüfen Sie die Temperatur am Lager oder Schmierpunkt und wie sie sich seit dem letzten Nachschmieren verändert hat.
- Suchen Sie nach Wasser, einer milchigen Emulsion, Metallpartikeln, Klumpen, ungewöhnlichem Geruch oder übermäßiger Ölabsonderung.
- Vergleichen Sie Produktname, Charge und Nachschmierdatum mit der Dokumentation des Schmierpunkts.
- Klären Sie, ob beim Nachschmieren ein anderes Fett verwendet wurde, und falls ja, ob die Verträglichkeit beider Produkte bestätigt ist.
- Wenn die Ursache unklar bleibt, entnehmen Sie eine Probe nach dem werksinternen Verfahren und lassen Sie sie bewerten, statt nur anhand der Farbe zu entscheiden.
Beurteilen Sie die Farbe zusammen mit Temperatur, Schwingungen, Leckage, Geräusch, Zustand der Dichtungen und Betriebshistorie. Die Sichtprüfung einer Probe allein bestätigt weder eine korrekte Schmierung noch einen Lagerschaden.
Welche Daten sollten Sie statt der Farbe prüfen?
Bei der Auswahl eines Schmierfetts und bei einem Produktwechsel prüfen Sie mindestens:
- den vorgesehenen Einsatz und die Art des geschmierten Bauteils;
- Grundöl und Verdicker;
- NLGI-Konsistenzklasse;
- Temperaturbereich, Drehzahl und Belastung der Anwendung;
- Wasserbeständigkeit, Korrosionsschutz und Verhalten bei Verunreinigungen;
- Verträglichkeit mit Werkstoffen, Dichtungen und dem bisher eingesetzten Fett;
- Menge, Einbringverfahren und Intervall aus der Dokumentation von Maschine oder Lager.
NLGI 2, eine Farbe oder die Bezeichnung „Hochtemperatur“ sind jeweils nur einzelne Angaben, und keine davon ersetzt die vollständige Spezifikation. Bei widersprüchlichen Angaben haben die Anleitung der Maschine oder des Lagers und das Datenblatt des konkreten Produkts Vorrang.
Farbe und Daten im Molyguard-Katalog
Im Molyguard-Katalog 2022 ist die Farbe eine Spalte der Fetttabelle, neben Verdicker, Grundöl, NLGI-Klasse und Betriebstemperatur. Die Tabelle zeigt, warum die Farbe allein nicht ausreicht. AERO 300 und GS ROLLER DR sind beide als dunkelbraun angegeben. AERO 300 ist ein Lithiumkomplexfett mit teilsynthetischem Grundöl, beschrieben für hoch belastete Rollenlager bei hoher Temperatur. GS ROLLER DR hat einen Verdicker auf Calciumbasis und ein mineralisches Grundöl; der Katalog empfiehlt es für Walzwerke sowie für Lager in Trocknern, Dämpfern und Spannrahmen. Ähnliches Aussehen bedeutet also weder gleiche Zusammensetzung noch gleichen Einsatz. Die schwarzen Fette GS PL und LMP 180 enthalten Graphit beziehungsweise Molybdändisulfid, also die oben beschriebenen Zusätze. Die Einsatzbeschreibungen aller Fette finden Sie im Molyguard-Angebot für Schmierstoffe. Keine davon ist ohne Daten zum Betrieb eine Empfehlung für ein bestimmtes Lager.
Beispiel: Das Fett im Lager wird dunkler
Wenn das Fett an einem Rollenlager mit der Zeit dunkler wird, schließen Sie daraus weder, dass „schwarzes Fett besser“ ist, noch dass es „sicher verbrannt“ ist. Vergleichen Sie zuerst Temperatur und Laufzeit mit den vorgesehenen Bedingungen des Produkts, prüfen Sie mögliche Verunreinigungen und die Nachschmiermethode und bewerten Sie anschließend die Probe im Vergleich zu frischem Fett. Erst diese Kombination von Hinweisen erlaubt eine Entscheidung über Menge, Intervall, Verfahren oder Produkt.
Wie bereiten Sie eine Anfrage zu Schmierfett vor?
Wenn Sie ein Fett aus dem Angebot für Öle und Schmierstoffe von TC Kolor anfragen, nennen Sie Name und Modell der Maschine, die Bezeichnung des Lagers oder Schmierpunkts, Drehzahl, Belastung, Temperatur, Art der Abdichtung, Kontakt mit Wasser oder Chemikalien, das aktuelle Produkt, das Einbringverfahren und die beobachtete Veränderung. Halten Sie die Farbe als ein Merkmal der Probe fest, zusammen mit Konsistenz, Geruch und Verunreinigungen.




