Wo ist Silikonfett sinnvoll?
Schmierfett besteht aus Basisöl, Verdicker und Additiven. Über den Einsatz eines Silikonfetts entscheiden daher die gesamte Formulierung und die konkrete Werkstoffpaarung, nicht das Silikon allein. Datenblätter von Silikonfetten nennen beispielsweise Kontakte Kunststoff–Kunststoff, Kunststoff–Metall und Metall–Gummi, Dichtungen, O-Ringe sowie Bauteile, die mit Wasser in Berührung kommen.
In der industriellen Instandhaltung kann Silikonfett für folgende Anwendungen geprüft werden:
- Führungen, Buchsen und andere Kontakte Kunststoff–Kunststoff oder Kunststoff–Metall, wenn die Produktdokumentation die Werkstoffe und den Bewegungsbereich abdeckt;
- O-Ringe, Dichtungen und Elastomerteile nach Prüfung der Verträglichkeit mit dem konkreten Werkstoff;
- Ventile, Pumpen und Vakuumsysteme, wenn die Dokumentation des jeweiligen Produkts diese Anwendung nennt;
- elektrische Bauteile, wenn das Produkt nachweislich für den Schutz vor Hochspannung oder zur Isolation vorgesehen ist.
Woher kommen die Grenzen?
Die Temperatur hängt von Formulierung und Anwendung ab
Der Betriebstemperaturbereich gehört zur konkreten Formulierung, nicht zur gesamten Gruppe der Silikonfette. Im Molyguard-Katalog hat CSO SYL einen Betriebsbereich von −25 bis +160 °C, HVG von −5 bis +220 °C. Auch der Tropfpunkt legt die obere Einsatzgrenze nicht fest: Bei CSO SYL liegt er bei 180 °C, das Datenblatt von MOLYKOTE PG-21 nennt 250 °C und eine Gebrauchstemperatur bis 190 °C. Prüfen Sie deshalb die Angaben des konkreten Produkts, die Wärmeabfuhr, die Laufzeit und kurze Temperaturspitzen.
Belastung und Drehzahl können ein scheinbar passendes Produkt ausschließen
Manche Datenblätter für Silikonfette begrenzen den Einsatz auf geringe oder mittlere Belastungen sowie langsame oder mittlere Bewegungen. Übertragen Sie diese Aussage nicht auf die gesamte Kategorie, gehen Sie aber umgekehrt auch nicht davon aus, dass jedes Silikonfett für ein hoch belastetes Stahllager oder einen schnell laufenden Mechanismus geeignet ist. Für den Kontakt Metall–Metall brauchen Sie Angaben zu Belastung, Drehzahl, Verschleiß und Prüfverfahren aus der Produkt- und Maschinendokumentation.
Die Werkstoffverträglichkeit muss geprüft werden
Ein Schmierfett, das als kunststoff- oder elastomerverträglich beschrieben wird, muss trotzdem auf den konkreten Werkstoff, die Temperatur und die Kontaktdauer bezogen werden. Ein ungeeignetes Produkt kann Quellen, Schrumpfen, Rissbildung oder eine Änderung der Härte verursachen. Planen Sie bei einer neuen Werkstoffkombination eine Verträglichkeitsprüfung und mischen Sie Produkte nicht ohne Bestätigung des Herstellers.
Wie liest man das technische Datenblatt?
Vor dem Wechsel auf ein Silikonprodukt sollten Sie prüfen:
- Basisöl, Verdicker und Additive;
- Betriebstemperaturbereich und die Bedingungen, für die der Hersteller diesen Wert angibt;
- Belastung, Drehzahl, Bewegungsart und mögliche Grenzen für den Kontakt Metall–Metall;
- Werkstoffe der Bauteile, Dichtungen und O-Ringe sowie die Methode, mit der die Verträglichkeit bestätigt wurde;
- Angaben zu Anwendung, Reinigung, Dosierung und Produktwechsel.
Wenn das Datenblatt eine für die Entscheidung wichtige Frage nicht beantwortet, füllen Sie die Lücke nicht mit dem Namen der Produktkategorie oder der Produktfarbe. Fordern Sie die Dokumentation an oder führen Sie eine kontrollierte Prüfung durch.
Beispiele aus dem Sortiment von TC Kolor
Die Kategorie Silikonfette von TC Kolor umfasst vier Molyguard-Produkte, denen der Katalog unterschiedliche Funktionen zuordnet. CSO SYL ist ein Fett für Lager und mechanische Teile in Kunststoffgehäusen auf Basis von Lithium und Mineral-Silikonöl. HVG ist ein Silikon-Compound für Hochvakuum, Ventile und Pumpen. HVG EN dient dem Schutz vor elektrischer Hochspannung, SYL 133 dem Schutz von O-Ringen und Dichtungen sowie der Geräuschminderung zwischen Kunststoffteilen.
Die Auswahl beginnt daher bei der Funktion der Schmierstelle. Ob ein Produkt zu einem bestimmten Kunststoff, Lager oder einer Dichtung passt, müssen das Produktdatenblatt und die Maschinendokumentation bestätigen.
Wann ist ein anderes Schmiermittel sinnvoll?
Prüfen Sie eine andere Produktgruppe, wenn die Hauptanforderung eine hohe Metall–Metall-Belastung, eine hohe Lagerdrehzahl, der Kontakt mit einer konkreten Chemikalie oder eine nicht bestätigte Werkstoffverträglichkeit ist. Auch eine Anforderung für den Lebensmittelbereich prüfen Sie am konkreten Produkt, nicht an der gesamten Gruppe.
Wie bereitet man die Auswahl im Betrieb vor?
- Schmierstelle identifizieren. Erfassen Sie Bauteil, Maschine, Hersteller, Teilenummer und Einbausituation.
- Werkstoffe beschreiben. Geben Sie Kunststoff, Elastomer, Metall, Dichtungstyp und möglichen Prozesskontakt an.
- Betriebsbedingungen erfassen. Messen oder bestätigen Sie Temperatur, Drehzahl, Belastung, Feuchtigkeit, Staub, Chemikalien und Laufzeit.
- Bisheriges Produkt prüfen. Notieren Sie Name, Basis, Verdicker, Dosiermethode und Reinigungsverfahren.
- Dokumentation vergleichen. Bestätigen Sie Anwendung, Verträglichkeit, Betriebsbereich und Grenzen des konkreten Produkts.
- Prüfung und Beobachtung planen. Legen Sie Annahmekriterium, Beobachtungszeitraum und Prüfverfahren nach dem Wechsel fest.
Senden Sie die Angaben aus den Schritten 1–4 als Anfrage über die Seite der Kategorie Silikonfette. Damit lässt sich eine konkrete Formulierung mit ihren Grenzen vor einem Versuch in der Produktion prüfen.




