Zuerst die Lagerbauart bestimmen
„Gleitlager“ beschreibt die Art der Relativbewegung, sagt aber noch nicht, womit das Lager geschmiert werden darf. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem Buchsen mit Gleitschicht, Metalllager mit Schmiertaschen oder -nuten sowie Polymerlager mit eingelagertem Festschmierstoff. Erfassen Sie anhand von Typenschild, Zeichnung, Werkstoffdatenblatt oder Maschinenanleitung:
- den Werkstoff der Buchse oder Gleitschicht und eine mögliche Bauartbezeichnung;
- ob der Hersteller Trockenlauf, eine Erstbefettung oder regelmäßiges Nachschmieren vorsieht;
- die Bewegungsart: drehend, schwenkend oder linear;
- Flächenpressung, Gleitgeschwindigkeit und Laufzeit;
- Temperatur sowie Kontakt mit Wasser, Staub, Fasern, Chemikalien oder Prozessmaterial;
- Werkstoff, Oberflächenzustand und Geometrie der Welle sowie die Wärmeabfuhr.
Prüfen Sie bei Kunststoffbuchsen den zulässigen p×v-Wert im Werkstoffdatenblatt, also das Produkt aus Flächenpressung und Gleitgeschwindigkeit. igus beschreibt ihn als Maß für die Reibungswärme; der tatsächliche Wert hängt unter anderem vom Wellenwerkstoff, der Umgebungstemperatur und der Laufzeit ab. Deshalb gehören Welle und Wärmeabfuhr zu den Daten der Schmierstelle.
Wann Fett, wann Trockenlauf?
Ein selbstschmierendes Lager enthält Festschmierstoffe im Werkstoff oder in der Gleitschicht. igus gibt für seine iglide-Lager an, dass eine zusätzliche Schmierung mit Fett oder Öl meist weder nötig noch sinnvoll ist; in staubiger Umgebung kann Fett Staub und Fasern binden, die dann zwischen Buchse und Welle gelangen. Eine einmalige Schmierung bei der Montage vertragen dieselben Werkstoffe jedoch: Sie verbessert das Anlaufverhalten und senkt die Reibung. Beschreibt der Hersteller das Lager als trockenlaufend oder wartungsfrei, führen Sie ohne seine Freigabe keine regelmäßige Nachschmierung ein, auch wenn die Stelle wie eine gewöhnliche Buchse aussieht.
Bei einer Bauart mit Schmiertaschen, -nuten oder einer Schmierstoffzufuhr gehen Sie anders vor. Für eine konkrete Konstruktion kann der Hersteller Öl, Fett oder beides sowie Menge und Intervall vorgeben und bestimmte Zusätze ausschließen. Der Schaeffler-Katalog für Gleitlager nennt diese Vorgaben getrennt für einzelne Baureihen; übertragen Sie die Empfehlung für eine Bauart deshalb nicht auf andere Gleitlager.
Wie wird der Schmierstoff für ein Gleitlager ausgewählt?
Wenn das Lager für Öl oder Fett vorgesehen ist, vergleichen Sie das Produktdatenblatt mit den Bedingungen an der Schmierstelle:
- Werkstoff und Gleitschicht. Prüfen Sie die Eignung für den Lagerwerkstoff, Dichtungen und eventuell vorhandene Kunststoffe.
- Pressung und Geschwindigkeit. Lesen Sie bei Polymerbuchsen den p×v-Wert oder andere Herstellergrenzen. Bei Metallbauarten prüfen Sie Belastung, Geschwindigkeit und die Art der Schmierstoffzufuhr.
- Bewegungsart. Prüfen Sie, ob die Daten des Lagerherstellers die Bewegung an der Schmierstelle abdecken: drehend, schwenkend oder linear. Der Name des Schmierstoffs beantwortet diese Frage nicht.
- Temperatur. Berücksichtigen Sie Lagertemperatur, Laufzeit und kurze Spitzen, nicht nur die Umgebungstemperatur.
- Umgebung. Wasser, Dampf, Staub, Fasern und Chemikalien können Anforderungen an Viskosität, Haftung, Auswaschbeständigkeit und Oberflächenschutz verändern.
- Verträglichkeit. Prüfen Sie beim Produktwechsel die Verträglichkeit mit dem bisherigen Schmierstoff, dem Lagerwerkstoff und dem Reinigungsverfahren. Die gleiche NLGI-Klasse bestätigt keine Verträglichkeit zweier Fette.
Wählen Sie nicht nach Farbe, der Bezeichnung „für Lager“ oder einem einzelnen Zusatz.
Was ist im TC-Kolor-Angebot zu prüfen?
Produkte, deren Datenblätter Buchsen nennen, finden Sie in der Kategorie Fettkartuschen. Der Molyguard-Katalog beschreibt SILVER GREASE als Fett mit wasserfreiem Calcium als Verdicker und guter Wasser- und Hochdruckbeständigkeit, für Buchsen, Zahnräder und Gelenke unter hohen Lasten, Stößen und Gleitbewegungen sowie für Hydraulikhämmer; Einsatzbereich −10 bis +100 °C. EHT ist ein wasserbeständiges Lithiumkomplexfett mit EP-Zusatz und Molybdändisulfid (MoS₂) für Lager, Buchsen und O-Ringe, Einsatzbereich −20 bis +200 °C.
Das sind Kataloganwendungen. EHT enthält MoS₂ und kommt daher nicht in Frage, wenn der Lagerhersteller Fette mit Festschmierstoffzusätzen ausschließt. Über die Eignung für eine konkrete Buchse entscheiden die oben aufgeführten Daten und die Verträglichkeit mit dem bisherigen Fett.
Eine praktische Entscheidung: Buchse in einem feuchten Maschinenbereich
Wenn eine Buchse in feuchter Umgebung arbeitet, klären Sie zuerst, ob der Hersteller eine äußere Schmierung vorsieht. Bei einer selbstschmierenden Bauart prüfen Sie, ob Öl oder Fett Verunreinigungen festhalten würde. Bei einer Bauart mit Schmiernut oder Schmiertaschen vergleichen Sie Wasserbeständigkeit, Haftung an der Schmierstelle, Buchsenwerkstoff und Dosierintervall. Der Katalog nennt für SILVER GREASE und EHT Wasserbeständigkeit, Verdicker und Temperaturbereich unterscheiden sich jedoch; die Wahl hängt daher von der Temperatur an der Schmierstelle und der Verträglichkeit mit dem bisherigen Fett ab.
Welche Angaben sollte eine Produktanfrage enthalten?
Für eine Anfrage zu Fettkartuschen oder einem anderen Schmierstoff für ein Gleitlager nennen Sie Lagerbezeichnung und Werkstoff, eine Zeichnung oder ein Foto der Schmierstelle, Bewegungsart, Pressung oder Belastung, Geschwindigkeit, Temperatur, Feuchtigkeit und Verunreinigungen, Wellenwerkstoff, den aktuell eingesetzten Schmierstoff und die Dosiermethode. Ist das Lager selbstschmierend, fügen Sie das Werkstoffdatenblatt bei und geben Sie an, ob der Hersteller eine Schmierung bei der Montage zulässt.




